Artikel aus dem Bereich Computer und Internet
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Erschienen im Bieler Tagblatt vom 8.2.99
Neues Buch: Die Risiken im Internet
Jenseits von Porno und Nazis
Diskussionen ums Internet pendeln zwischen Business-Euphorie und Porno-Szenarien. Alltagssurfer sollten sich indes vielmehr um Datenschutz, Sicherheit, Privatsphäre und Betrügereien kümmern.
Peter Grupp
Ist Sabotage im Internet ein
Kinderspiel? Knacken Hacker meinen Computer? Kann der Arbeitgeber
meine Surftouren aufzeichen? Und darf er das auch? Wie gehen
Manipulanten, Betrüger und Kriminelle im Internet vor? Die
wenigsten wissen um die wenig sensationsträchtigen, dafür
alltäglichen Risiken des Surfens.
Erfreulich undramatisch und trotzdem leicht lesbar hat der Basler
Fachjournalist und Jurist David Rosenthal die Erkenntnisse der
Technologiefolgen-Abschätzung des Schweiz. Wissenschaftsrats
umgesetzt. Rosenthal packt das Spektrum der Risiken in 90
populäre Behauptungen. Seine Antworten verstehen auch
Anfänger im Internet.
Fallen für Surfer
Breiten Raum widmet Rosenthal den versteckten Fallen, in die Surfer
geraten, meist ohne etwas davon zu merken. Die US-Firma DoubleClick
beispielsweise erstellte Surfprofile von bereits über 30
Millionen Surfern. Damit erkennen Werbetreibende und Verkäufer
die einzelnen Surfer und «bedienen» sie individuell. So
können indes auch Kunden qualifiziert und möglicherweise
erst nach besseren Käufern bedient werden, oder sie erhalten
Kredite nur zu schlechteren Konditionen.
Datensammler können aber auch im betriebsinternen Firmennetz den
Angestellten nachspüren. Wohl dürfen Arbeitgeber die
Leistungen ihrer Angestellten messen. Ihr Verhalten jedoch darf nicht
überwacht werden. Surfen kann der Chef also verbieten. Es geht
ihn aber nichts an, welche Seiten Angestellte abrufen.
Vorsicht ist auch bei der elektronischen Post geboten. Jedes E-Mail
wird mehrfach gespeichert, bevor es zum Empfänger gelangt. Es
kann also praktisch nicht mehr vollständig gelöscht werden.
Abhilfe schafft einzig die Verschlüsselung.
Risiken contra Chancen
David Rosenthal behandelt weitere Risiken wie beim Handel im Internet
(Kasten), soziale Konsequenzen des Internets, rechtliche Fragen und
die technische Sicherheit. Dabei stellt sich bei nüchterner
Betrachtung manches Risiko als weniger dramatisch dar als
zunächst befürchtet, und gegen viele Bedrohungen kann man
sich schützen. Meist genügen der gesunde Menschenverstand
und elementare Grundkenntnisse des neuen Mediums.
Und schliesslich darf ob aller Angst ein wichtiges Risiko nicht
vergessen werden: nämlich das Verpassen vieler Chancen und
Informationen durch die Netz-Abstinenz.
Das Buch «Internet - Schöne neue Welt?» ist im Verlag
Orell Füssli erschienen und kostet 39 Franken.