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actualis-Kurs:
Online-Redaktion Der 2. Teil des Kurses
Online-Redaktion ist den Besonderheiten von Texten und
Bildern in Online-Medien gewidmet.
Das Internet weist als
Medium ganz eigene Charakteristiken auf. Zeitungs- oder
andere Printtexte sind in der Regel ungeeignet für
Online-Medien.
Der Kursteil "Online-Text"
bietet folgende Inhalte:
Online-Charakteristik Das Internet ist ein Text-,
aber kein Lesemedium!
Studien haben immer wieder
gezeigt, dass das Lesen am Bildschirm sehr mühsam und
langwierig ist. Die Leseleistung am Monitor ist nur etwa
halb so gross wie ab Papier (vgl. dazu J. Nielsen,
Alertbox,
Reading on the Web).
Zwei Beispiele: Lange
Bildschirm-Lektüren ermüden stark und die
Fehlerkorrektur ab Papier ist viel ergiebiger als diejenige
am Monitor.
Folgende Schwächen der
Online-Medien sind dafür verantwortlich:
Wahrscheinlich wird die
Monitor-Qualität in den nächsten Jahren grosse
Fortschritte machen. In Entwicklung stehen flexible
Bildschirme, die fast wie Zeitungen oder Illustrierte
benutzt werden können. Trotzdem wird der Tischmonitor
noch lange das Standard-Interface für Computer
bleiben.
Scannen statt
lesen
Bei Online-Medien spricht
man von Scannen statt von Lesen. Scannen bedeutet auf
Englisch "mit den Augen überfliegen, absuchen" und
kommt unserem "Diagonal-Lesen" nahe.
Die Augen des "Users" wandern
nur über den Text und bleiben an einzelnen Wörtern
oder Logos hängen.
Die Rezeption ist sehr
oberflächlich. Nach wenigen Sekunden wird
weitergeklickt, wenn der Inhalt nicht zu packen vermag oder
zu langsam heruntergeladen wird.
Das Lesen wird erschwert durch
textliche Mängel (Kapitel
2.2):
und durch layouterische
Mängel (Kapitel
3):
Das Web-Publikum:
viele Neulinge
Die Webbevölkerung ist
massiv am Wachsen. Viele Online-Dienste weisen monatliche
Steigerungsraten von 10 Prozent und mehr aus. Unter den
Seitenbesuchern beobachten wir also viele Neulinge im
Internet, die mit dem Medium schlecht vertraut
sind.
Das gilt umso mehr, als dass
immer mehr Computer-Unerfahrene (beruflich nicht mit
Computern Arbeitende, Senioren) den Einstieg ins Netz wagen.
Das Internet-Publikum nähert sich damit immer mehr der
"Normaldemographie" an (vgl. actualis-Hintergrund
"Mädchen erobern das Netz"???).
Zudem sind die Verantwortlichen
von Firmen-Sites plötzlich mit Laien in der
Materie konfrontiert. Diese gelangen dank des Internets
plötzlich direkt zum Anbieter, z.B. einer Bank, und
eben nicht zum Bankberater vom Kundendienst. Auch diese
Klientel benötigt Hilfe.
Die Gratwanderung
besteht darin, den Neulingen genügend Hilfe zu bieten,
aber gleichzeitig die "alten Hasen" nicht mit langen
Erklärungen zu langweilen.
Das wird leicht durch einen
klaren Aufbau erreicht, der die Erklärungen per
Link verfügbar macht - genau wie beim
actualis-Lexikon.
Das Internet ist ein
eigenständiges Medium und verlangt eigenständige
Textformen. Die prägnante Radiosprache und
Teletext/Videotext liegen in ihrer Charakteristik dem
Online-Text am nächsten. Zeitungsartikel werden dagegen
fürs Drucken auf Papier geschrieben und gehören
auch dort hin.
Der Grund, warum die meisten
Zeitungen ihre Printtexte ins Web stellen, liegt z.T. in der
fehlenden Sensibilität für das neue Medium. Vor
allem aber ist das eine Frage der Ressourcen: Nur die ganz
grossen Medien (CNN, New York Times, Spiegel usw.)
können sich eine echte Online-Redaktion leisten.
Übersicht und
Kürze sind besonders wichtig:
Besonderheiten der
E-Mails
Das allermeiste, was hier
über Online-Texte gesagt wird, gilt ebenso für
E-Mails. Insbesondere, was die Sprache und die
Strukturierung des Textes betrifft. Trotzdem gibt es
Mail-Besonderheiten.
Mails sollten aber noch
kürzer gehalten werden. Sie eignen sich besser
für Nachrichten oder Schlagzeilen denn für
komplette Artikel.
Ein Newsletter macht mit
Vorteil nur auf Artikel oder News einer Site aufmerksam
statt sie in ihrer vollen Länge zu versenden.
Ein direkter Link kann die
Verbindung zum Artikel auf der Site sicherstellen. Aber
Achtung: nicht alle Mail-Programme können Links auch
als solche darstellen, sondern listen bloss die URL
(Internetadresse) auf.
Die Betreff-Zeile
(Subject) hat bei E-Mails eine besondere Bedeutung. Sie
reicht weit über die Funktion eines Titels hinaus und
ist ein klassischer Mikrotext,
der in der Mailbox aus seinem Zusammenhang gerissen neben
Dutzenden von Betreff-Zeilen stehen kann.
Die Betreffzeile sollte einen
aktuellen Inhalt anreissen und möglichst die
Identität des Newsletters angeben. Sie kann letzteres
mit einer Abkürzung bewerkstelligen. Für den
Inhalt des Newsletters bleiben meist bloss ein, zwei
Wörter.
Der Inhalt der Betreff-Zeile
hängt aber auch von der Frequenz des Erscheinens
ab. Einen Newsletter, der täglich oder sogar noch
häufiger erscheint, kennen dessen Abonnenten. Er
benötigt kaum eine Namensnennung in der Betreff-Zeile.
In diesem Fall kann die Betreffzeile voll für den
Inhalt verwendet werden. Ein selten oder unregelmässig
erscheinender Newsletter trägt dagegen mit Vorteil eine
Namensnennung im Betreff, also z.B.:
"actualis-Newsletter".
Persönliche
E-Mails, die direkt an den Empfänger gemailt
werden, sollten einen rein sachlichen Betreff aufweisen.
Formulierungen wie die folgenden sind zu vermeiden:
Wenn aber nur ein Mail-Empfang
für mehrere Personen vorhanden ist, macht der Name des
Empfängers im Betreff wiederum Sinn.
Kürze bedeutet nicht
Oberflächlichkeit.
Dank Hypertext kann mit
verlinkten Einzeltexten ein Thema beliebig vertieft und mit
allen Nebenaspekten erweitert werden. Lexika mit ihren
Querverweisen arbeiten nach dem selben Prinzip.
Dem einzelnen Text sind jedoch
in seinem Umfang und dadurch seiner Tiefgründigkeit
Grenzen gesetzt.
Der Zwang zur Kürze hat
auch Vorteile. Er verlangt Präzision bei der
Formulierung und Klarheit in der Struktur.
Überflüssiges muss weggelassen werden. Und
schliesslich gilt besonders im Journalismus: In der
Kürze liegt die Würze.
Die Maximallänge
für Texte hängt von folgenden Faktoren ab:
Es empfiehlt sich, den
Haupttext kurz zu halten, d.h. maximal 70 Zeitungszeilen
oder 2000 Zeichen. Das entspricht einem mittleren bis
kleineren Artikel in einer Tageszeitung.
Eine klare Struktur ist
extrem wichtig. Folgendes muss beachtet werden:
Jedes Medium verlangt nach
einer eigenen Sprache. Die Internet-Sprache
ist prägnant, klar und schnörkellos. Sie
ähnelt der Radiosprache mehr als der
Zeitungs-Schreibweise.
Da das Lesen am Bildschirm
mühsam ist, sind kurze und lineare Sätze
leichter aufzunehmen. Verschachtelungen mit vielen
Nebensätzen erschweren das Lesen.
Auch lange Wortungetüme
und Fachausdrücke sind Gift am Bildschirm. Kurze und
präzise Wörter erleichtern das Lesen. Das
Koppeln (mit Bindestrich) von Wort-Zusammensetzungen hilft
bei schwierigen Ausdrücken.
Im Übrigen gelten bei
Satzbau und Wortwahl die gleichen Anmerkungen wie bei der
Gesamtlänge eines Artikels. Folgende Faktoren
müssen berücksichtigt werden:
In Printmedien werden Bilder
grosszügig eingesetzt, um die Seiten attraktiver zu
gestalten. Im Internet setzt die Kapazität der
Datenleitungen und Modems enge Grenzen. Bilder sind auch im
Online-Bereich wichtig, müssen aber sehr sparsam
eingesetzt werden. Zudem sind grosse Bilder wegen ihrer
Datenlast tabu.
Bilder sind sparsam
einzusetzende Blickfänge. Gleichzeitig sollte nur
ein dominantes Bild sichtbar sein.
Zusätzliche Illustrationen
dürfen bloss den Charakter von Logos haben. Sie
können z.B. kleinformatig auf einzelne Rubriken
hinweisen in der Form von Buttons, Maillinks usw.
Noch mehr als beim Text gilt
für Bilder: weniger ist mehr. Ein überladener
Bildschirm ermüdet den Betrachter und wirkt
billig.
Zudem lassen lange Wartezeiten
beim Herunterladen viele Site-Besucher vorzeitig
weiterklicken. Mit 20 Kilobytes lassen sich
attraktive Farbbilder darstellen, die die Geduld und die
Telefonrechnung der Besucher schonen.
Folglich ist die
Kompression von Bildern wichtig. Die besten Resultate
erreicht man bei Fotos mit dem jpeg-Format, bei Grafiken und
Logos mit dem gif-Standard.
Zur Kompression gibt es sehr
effektive Programme, die einzig darauf spezialisiert sind.
Ein solches ist beispielsweise ImageReady von
Adobe.
Oft müssen Bilder
fürs Web verkleinert werden. Breiten von mehr
als etwa 300 Pixel sind von ihrem Datenvolumen nur in
Ausnahmefällen sinnvoll. Statt die Bilder bloss zu
verkleinern, schneidet man besser leere Bildteile ab. So
wird das Bild auf das wesentliche konzentriert, zum Beispiel
das Gesicht einer Person. Gekonnt geschnitten, gewinnt
manches Bild an Qualität.
Animationen haben auf
Informations-Seiten nichts zu suchen. Sie sehen nach Werbung
aus. Eine Ausnahme bilden jedoch trendige Seiten von Firmen
oder Organisationen, die so ihr jugendliches Image zum
Ausdruck bringen.
Der Online-Text
Texte, die
nicht gelesen werden
Schreiben und
Redigieren für
Web und E-Mail
Textlänge
und -struktur
Satzbau und
Wortwahl
Bilder und
Logos